Einer der wenigen Klassiker des fantastischen Films, die auch Jahrzehnte später noch wirken. Trotz der inzwischen eher charmant-nostalgischen Effekte bekommt man einen atmosphärischen dichten und vor allem sehr spannend inszenierten Zeitreise-Thriller, wie er besser nicht sein könnte. Rod Tayler in seiner Rolle als Wissenschaftler auf seiner Reise in die Zukunft und wieder zurück zu begleiten war schon in meiner frühen Kindheit etwas, das mich total gefesselt hatte. Auch heute noch bleibt dieses Gefühl bestehen und das hat (fast) garnichts mit dieser Nostalgie zu tun, dieser allgemeinen Schönrederei der Vergangenheit. "Früher war alles besser." ist eben doch nur ein Spruch.

Der Film hat heute noch neben all den seelenlosen Effektschlachten seine filmische Berechtigung und weiß zu überzeugen. Hier trifft eine fantastische Geschichte auf eine bildgewaltige Umsetzung, die in diesem Genre wohl eher selten ist, vor allem da die Bilder eben nicht alles beherrschen und die Story überlagern. (So wie in dem eher mäßigen Remake von 2002)
Die Eloy standen schon in der Buchvorlage für eine dekadente, sorgenbefreite Gesellschaft, wie sie schon Ende des 19ten Jahrhunderts in den gediegeneren Kreisen abzusehen war. Die filmische Umsetzung zeigt dies in erstaunlich eindringlicher Weise und dient durchaus als Warnung vor eben dieser Sorg- und Gedankenlosigkeit, wie sie auch auf unsere Gesellschaft zu übertragen ist. Sie sind schön und sorgenfrei, aber auch dumm und frei von jeglichen Ambitionen. Eben doch nur "Futter"...
Als krasser Gegensatz stehen die Morlocks, die ja auch inzwischen in anderen Filmen als Referenz dienen (zB in "Payback - Zahltag" mit Mel Gibson). Diese gruseligen Menschenfresser haben sich schnell in das kulturelle Gedächtnis der westlichen Welt gegraben und im Grunde kennt sie jeder, selbst wenn man den Film nicht gesehen hat. Sie sind das "Böse", das "Hässliche", aber auf der anderen Seite auch das, was von uns übrig bleibt, wenn wir alle anerzogenen gesellschaftlichen Normen und Bedenken über Bord werfen.
Natürlich lebt der Film auch von der Faszination der Zeitreise, die hier wirklich auf die Spitze getrieben wird. Die meisten Geschichten dieser Art beschränken sich ja auf Tripps in die nahe Zukunft oder Vergangenheit um geschichtliche Fehler auszubügeln oder dem eigenen Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Oder die Zeittouristen begeben sich weit zurück um antike Ereignisse zu beobachten oder Dinosaurier zu sehen.
George Pal geht anhand der Geschichte von H.G. Wells weit darüber hinaus und schickt seinen Helden in ein fast unvorstellbar weit entferntes Jahr und zeigt uns unsere Welt, wie sie denn "dann" aussehen würde. Und im Grunde ist das durchaus noch vorstellbar und keine totale Utopie. Und eben weil dies alles nahe bei uns selbst ist wirkt der Film in dieser Art so nach und das hebt ihn aus vielen Werken des Genres weit hervor.
Ein unerreichtes Meisterwerk mit einem großartigen Rod Taylor, tollen Effekten, irre spannender Geschichte, superber Musik und einer dichten Atmo.