Mit "Suspiria", dem ersten Teil der "3-Mütter Trilogie" hat Dario Argento wohl sein absolutes Meisterwerk geschaffen. Zwar sind auch die vorherigen Filme des italienischen Kult-Regisseurs absolut fantastische Werke (Rosso-Die Farbe des Todes, die Tier-Trilogie), doch ist vorliegender Film wohl an Perfektion kaum zu überbieten. Ganz generell handelt es sich bei "Suspiria" aber auch um einen der besten Horrorfilme überhaupt, versteht es Argento doch dem Zuschauer durch eine perfekte Inszenierung ein brillantes Horror-Feeling zu vermitteln, das man in vorliegender Form wohl eher selten geboten bekommt. Es ist die absolut geniale Kombination der verschiedendsten Komponenten, die "Suspiria" zu einem wahren Kunstwerk machen und keinerlei Mankos erkennen lassen, so das man wirklich von einem Filmerlebnis sprechen kann, das an Perfektion schwerlich zu überbieten ist.
In erster Linie ist dafür selbstverständlich die Geschichte an sich verantwortlich, von der eine solch starke Faszination ausgeht, das der Zuschauer von der ersten Minute an wie magisch in ihren Bann gezogen wird. So saugt man förmlich die extrem unheilvolle und sehr bedrohliche Grundstimmung wie ein Schwamm in sich auf, die dem Film vom Anfang bis zum Ende ihren Stempel aufdrückt und ihre Wirkung auf den Betrachter keineswegs verfehlt. So bleibt es auch in etlichen Phasen des Werkes nicht aus, das man mit schweissnassen Händen vor dem Bildschirm sitzt und sich einer aufkommenden Gänsehaut nicht erwehren kann. Dabei wird von Haus aus schon äusserst dichte Atmosphäre noch zusätzlich durch den absolut stimmigen Score der Musikgruppe Goblin unterstützt, deren musikalische Untermalung ein Jahr später auch Romeros Meisterwerk "Zombie-Dawn of the Dead" schmücken sollte. Durch die musikalische Untermalung kann man regelrecht spüren, wie der Spannungsbogen immer weiter stetig ansteigt, bis es kaum mehr auszuhalten ist und man richtiggehend eine Entladung der aufgestauten Spannung herbeisehnt, um den stark ansteigenden Herzschlag wieder etwas herunterzufahren. Argento hat es wirklich perfekt verstanden, die Nerven des Betrachters auf eine äusserst harte Geduldsprobe zu stellen, sind sie doch größtenteils bis zum Zerreissen gespannt und erhalten während des Geschehens eher selten die Möglichkeit, sich ein Wenig zu beruhigen.
Als wenn das Gesamtszenario so nicht schon an Genialität kaum zu übertreffen ist, mischt sich dem Film auch noch zusätzlich eine extrem starke Bildgewalt bei, die insbesondere durch das kräftige Spiel mit den Farben eine Intensität erlangt, die man kaum in Worte fassen kann. Nun sind einem ja die besonders kräftigen Farbkontraste aus den italienischen Produktionen der damaligen Zeit sehr wohl bekannt, doch bin ich persönlich der Meinung das vorliegender Film auch in dieser Beziehung fast schon eine Ausnahmestellung einnimmt, fühlt man sich doch von der hier dargebotenen Farbgewalt schon fast erschlagen und gerät regekrecht in einen Sinnesrausch, der auch etwas märchenhaftes an sich hat. So ist es auch keineswegs als übertrieben anzusehen, wenn man "Suspiria" als einen Rausch für die Sinne bezeichnet, der den Zuschauer fast ganzzeitig in einen Schwebezustand versetzt und in Verzückung geraten lässt. So erscheint dieses Kunstwerk auch durchaus wie ein schaurig-schönes Horrormärchen, das einem aber durch seine teils harten und recht blutigen Splatter-und Goreeinlagen immer wieder eindrucksvoll vor Augen führt, das der märchenhafte Eindruck fast ausschließlich durch die wundervoll kräftigen Farben entsteht und man sich ansonsten in einem ecten Horrorfilm befindet, der über einen sehr ansehnlichen Härtegrad verfügt.
Dabei tritt auch besonders der sehr positive Aspekt in den Vordergrund, das man es hier noch mit handgemachten Effekten zu tun bekommt und nicht wie in der heutigen Zeit fast schon üblich, mit einer effektüberladenen Inszenierung. Letztendlich ist natürlich alles Geschmackssache und es wird auch genügend Horror-Fans geben die mit diesem Werk nicht viel anfangen können, doch nicht umsonst zählt Argentos Meisterwerk zu den wohl echten Horror-Klassikern. Es ist die absolut perfekte Mischung der Einzelkomponenten, die hier ein Gesamtbild entstehen lassen, an dem es überhaupt nichts auszusetzen gibt. Denn auch die Darsteller-Riege ist eine gelungene Kombination aus zur damaligen Zeit eher neuen und frischen Gesichtern und etablierten Stars und kann durch ausgezeichnetes Schauspiel jederzeit überzeugen. Und so müsste eigentlich jeder Fan des Genres anerkennen, das man es hier mit einem ausgezeichneten Film zu tun hat der auch für jeden sehenswert ist, selbst wenn man kein ausgewiesener Argento-Fan ist.
Fazit:
Geschmack hin, Geschmack her, bei "Suspiria" handelt es sich auf jeden Fall um einen berauschenden Horrorfilm, in dem wirklich alles perfekt aufeinander abgestimmt ist. Ein extrem kräftiges Spiel mit den Farben, eine hochspannende und gruselige Geschichte, sehr gute Darsteller und ein Hammer-Score machen dieses Werk zu einem wahren Erlebnis, das auch nach über 30 Jahren nichts von seinem Reiz verloren hat und immer noch so faszinierend ist wie am ersten Tag. Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, sollte diesen Zustand schnellstens ändern und sich diesem berauschenden Kunstwerk hingeben.
10/10